24. Oktober 2026

Freitags-Fokus am Samstag: Wochenend-Schichten, Uni-Trubel & Kriminalpsychologie mit Lydia Benecke

 

Hallöchen ihr Lieben!

Heute gibt es den Freitags-Fokus mit einem kleinen Schlenker erst am Samstagnachmittag – sagen wir es so: Das Semester hat endgültig den Turbo eingelegt! Wenn Vorlesungen, Seminare und die anstehenden Hausarbeiten sich gleichzeitig auf dem Schreibtisch stapeln, muss man Prioritäten setzen. Meine Samstag- und Sonntagmorgen sind ab sofort fest für die Uni-Vor- und Nachbereitung und das Schreiben reserviert. Aber jetzt ist Zeit für eine kurze Verschnaufpause und einen gemütlichen Rückblick auf meine Woche! Schnappt euch ein feines Getränk, wir schauen mal rein.

Fokus: Uni-Vollgas & spontane Faszination mit Lydia Benecke 🧠🔍

Die zweite Semesterwoche hat mir endgültig gezeigt: Zeit ist aktuell mein wertvollstes Gut. Der Unialltag ist wahnsinnig fordernd und zeitintensiv, aber das war nach der vollen Belegung ja abzusehen. Umso wichtiger sind kleine Ausbrüche aus der reinen Pflichtlektüre!

Gestern Abend bin ich deshalb ganz spontan beim Vortrag von Lydia Benecke gewesen. Ihre kriminalpsychologischen Einblicke sind bekanntermaßen harter Stoff und verlangen einem einiges ab, aber die Art, wie sie komplexe menschliche Abgründe und wissenschaftliche Profile aufdröselt, ist einfach meisterhaft. Ich habe den Abend trotz der Schwere der Thematik extrem genossen – es war genau der richtige, faszinierende Kontrast zum Unistoff. Einen ausführlichen Beitrag dazu tippe ich euch demnächst ganz in Ruhe für den Buchblog zusammen!

Gelesen, Gehört, Gesehen 📚🎶📺

  • Gelesen: „Die Schleife an Stalins Bart“ von Erika Riemann. Ein autobiografischer Bericht über die Schrecken der sowjetischen Speziallager in der Nachkriegszeit – absolut harter Tobak und stellenweise kaum zu ertragen, aber gleichzeitig historisch unheimlich spannend, aufrüttelnd und wichtig.

  • Gehört: Es lief in den letzten Tagen wieder eine ganze Menge Musik querbeet, um den Kopf zwischen den Lernphasen freizupusten. Einen meiner aktuellen absoluten Lieblingstracks binde ich euch hier direkt als Video ein: 

– Ton an und kurz abtauchen!
  • Gesehen: Ich habe in der letzten Zeit einige Filme geschaut, die mir im Kopf geblieben sind. Die Rezensionen dazu stauen sich noch ein wenig, wandern aber nach und nach für euch auf den Blog!

Quellen & Weiterführende Links

Hier findet ihr die wichtigsten Links rund um meine Woche:

Literatur & Buchtipps:

  • Buch-Tipp (Erika Riemann): Das bewegende Zeugnis „Die Schleife an Stalins Bart“ findet ihr neu bei buecher.de* oder auf Amazon* sowie gebraucht bei Medimops* und Rebuy*.

  • Kriminalpsychologie: Wer tiefer in die Analysen von Lydia Benecke eintauchen möchte, findet ihre Werke bei Amazon* oder buecher.de* oder gebraucht bei Medimops* oder Rebuy*.

Unterstütze mich:

  • Kaffee für die Schreib-Schicht: Wenn Vorlesungsnotizen und Hausarbeiten rufen, läuft die Kaffeemaschine im Dauereinsatz. Wenn ihr mir für die Wochenendschichten einen virtuellen Kaffee spendieren möchtet, freue ich mich riesig über euren Support: Support me on Ko-fi! ☕

Habt ihr Lydia Benecke schon mal live bei einem Vortrag erlebt? Und wie strukturiert ihr euch die Wochenenden, wenn Prüfungen oder große Projekte anstehen?

Eure Katja

21. Oktober 2026

Die kantige Stimme des Ostens: Zum 10. Todestag von Manfred Krug

Manche Stimmen vergisst man nicht. Sie besitzen eine ganz eigene Textur – ein wenig heiser, voller Schalk, unendlich selbstbewusst und doch von einer tiefen Wärme getragen. Manfred Krug war so eine Stimme. Er war ein Solitär der deutschen Kulturlandschaft: DEFA-Star, Jazz-Pionier, Chansonnier, Bestsellerautor und ein Mann mit Haltung, an dem sich die Mächtigen der DDR die Zähne ausbissen. Heute jährt sich sein Todestag zum zehnten Mal – ein Anlass, auf ein Leben zurückzublicken, das wie kaum ein anderes die Zerrissenheit deutsch-deutscher Zeitgeschichte widerspiegelt.


Der stolze König: Meine erste Begegnung mit Manfred Krug

Meine erste bewusste Erinnerung an Manfred Krug führt nicht in den Gerichtssaal von Liebling Kreuzberg oder auf den Hamburger Tatort-Kiez, sondern in die Zauberwelt der DEFA-Märchen. In Walter Becks Klassiker König Drosselbart (1965) verkörperte er den stolzen, listigen König, der sich als Bettler verkleidet, um die hochmütige Prinzessin zu kurieren.

Schon damals besaß Krug diese unverwechselbare Präsenz: hochgewachsen, viril, mit einem blitzenden Spott in den Augen, der die klassische Märchenfigur mit einer modernen, fast jazzigen Lässigkeit auflud. Krug spielte seine Rollen nie einfach – er bewohnte sie mit Haut und Haaren.

Zwischen Zensur und Zivilcourage: „Spur der Steine“ und der Wendepunkt Biermann

Genau diese rotzige Direktheit machte ihn in den 1960er-Jahren zum absoluten Publikumsliebling im Osten. Als Brigadier Hannes Balla in Frank Beyers Spur der Steine (1966) schuf er ein Denkmal für unangepasste Arbeiter: lässig mit Schiebermütze, hemdsärmelig, parteikritisch und stolz. Dass dieser Film nach nur wenigen Vorführungen von den SED-Kulturfunktionären verboten und im Giftschrank weggesperrt wurde, war der erste schwere Riss in seiner Beziehung zum Staat.

Doch der entscheidende Bruch folgte zehn Jahre später – im November 1976. Als der Liedermacher Wolf Biermann nach einem Konzert in Köln aus der DDR ausgebürgert wurde, schwieg Krug nicht. Während die Staatsmacht Gehorsam erwartete, organisierte Krug maßgeblich den Protest der Künstler:

  • Die Petition der Zwölf: Gemeinsam mit Schriftstellern wie Stephan Hermlin, Christa Wolf und Heiner Müller verfasste er den offenen Brief an die Staatsführung mit der Bitte, die Maßnahme zu überdenken.

  • Tonbandaufnahmen im Wohnzimmer: Krug ging noch weiter. Bei den konspirativen Krisengesprächen der DDR-Künstlersekte und den Verhör-Meetings mit SED-Funktionären in seiner Wohnung schnitt er die Dialoge heimlich auf Tonband mit – historische Dokumente, die er Jahre später in seinem autobiografischen Bestseller Abgehauen schonungslos offenlegte.

  • Das kalte Berufsverbot: Die Stasi setzte ihn unter Dauerüberwachung, Konzerte und Dreharbeiten wurden storniert. Krug ließ sich nicht brechen, stellte den Ausreiseantrag und verließ im Sommer 1977 die DDR. Ein Verlust, von dem sich die ostdeutsche Film- und Musikszene nie wieder erholte.



Der Musiker und der Chronist: Groove und ungeschminkte Notizen

Neben dem Schauspieler war Manfred Krug immer ein begnadeter Musiker. Seine Jazz-Aufnahmen mit Günther Fischer gehören zum Besten und Zeitlosesten, was deutsche Popularmusik hervorgebracht hat. Wenn Krug sang – ob Scat-Gesang, Liebesballade oder lässiger Blues –, schwang stets das Lebensgefühl einer Generation mit, die Sehnsucht nach Weite und Freiheit hatte.

Dass er auch ein brillanter, scharfzüngiger Beobachter seiner Umwelt war, bewies er nicht nur mit Abgehauen, sondern auch in seinen postum veröffentlichten Tagebüchern. Seine ungeschminkten, bisweilen schonungslosen Aufzeichnungen zeigen den Menschen hinter dem Star: reflektiert, verletzlich, oft einsam, aber von einer entwaffnenden Wahrhaftigkeit.

Manfred Krug war eine Jahrhundertfigur mit Kanten, Rückgrat und Haltung. Einer, der sich nicht verbiegen ließ – weder im Osten noch im Westen. Er fehlt.

Jetzt seid ihr gefragt: Welche Erinnerung verbindet ihr als Erstes mit Manfred Krug? War es der König Drosselbart, Hannes Balla, seine Musik mit Günther Fischer oder spätere Rollen wie Robert Liebling? Schreibt es mir gern in die Kommentare!


☕ Unterstützung

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🛒 Stöbern & Entdecken: Bücher und Musik von & mit Manfred Krug

Wenn ihr tiefer in das vielschichtige Schaffen von Manfred Krug eintauchen möchtet – ob als scharfzüngiger Chronist oder als Jazz-Pionier:

Literatur & Autobiografisches:

  • 📖 Manfred Krug: Abgehauen (Das ungeschminkte Protokoll der Ereignisse rund um die Biermann-Ausbürgerung, inklusive der heimlichen Tonbandmitschnitte) – Medimops* / Rebuy* / Amazon*

  • 📖 Manfred Krug: Ich bin zu zart für diese Welt: Tagebücher 1998–1999 (Postum herausgegebene, intime Einblicke in sein Denken und Fühlen) – Amazon* / Medimops* / Rebuy*

  • 📖 Manfred Krug: Schweinegezadder (Kurzweilige, bissige Erzählungen und Erinnerungen) – Medimops* / Rebuy*

Musikalische Meilensteine (Jazz, Chanson & DDR-Klassiker):

 

📚 Daten & Bildhinweise

  •  Anlass: 10. Todestag von Manfred Krug (21. Oktober 2016 – 21. Oktober 2026)

  • Grafische Elemente:

    • Lebensdaten-Tafel (Quelle: hr1; bezogen von Facebook)

    • Zitatgrafik (Quelle: Kultur im Osten; bezogen von Facebook)

  • Wichtige Stationen im Text: König Drosselbart (1965), Spur der Steine (1966), Biermann-Petition (1976), Veröffentlichung Abgehauen (1996) sowie die postum edierten Tagebüchern 

19. Oktober 2026

🇮🇹 Italienisch-Schock, Wahlkommission & der nötige Feierabend: Der Montagsstarter!

Hallo ihr Lieben! 

Wenn ich ehrlich bin, war dieser Montag ein echter Kraftakt und hat ganz schön an meinen Reserven gezehrt.

  • Sprachkurs-Feuertaufe: Heute stand meine allererste Stunde Italienisch an. Das passende Lehrbuch lag passenderweise erst heute früh im Briefkasten – also direkt rein ins kalte Wasser! Unsere Dozentin ist waschechte Italienerin, und das merkt man vom ersten Satz an. Nach der ersten Stunde raucht mir ehrlich gesagt ganz schön der Kopf und ich bin mir noch nicht sicher, ob das wirklich meine Sprache wird... Aber abwarten und reinfuchsen! 📚🇮🇹

  • Parteiarbeit am Abend: Wer meinen Freitagsfokus gelesen hat, wusste schon, wie voll die letzte Woche war. Und heute ging es nach der Uni nahtlos weiter zu den Linken: Es standen Nachwahlen an, und da ich meinen eigenen Posten ja schon sicher innehabe, durfte ich heute als Teil der Wahlkommission fleißig mitzählen und organisieren. 🗳️💼

Wer noch mal in meinen leicht verspäteten Dienstag-Starter nach den genialen Lesungen mit Michael Rauhut reinlesen möchte, findet den letzten Montagsstarter genau hier.

Jetzt heißt es aber: Beine hochlegen und den Kopf lüften mit unserer Montags-Tradition! Ein ganz dickes Dankeschön geht wie immer an die liebe Anni, die diese schöne Aktion auf ihrem Blog Link zu Annis Blog veranstaltet!

Hier ist der neue Montagsstarter zum Mitmachen:

❶ Herrlich, wie schnell es doch Herbst geworden ist. Also an sich mag ich es ja, wenn es etwas kühler ist und man dann den Winter schon riechen kann. 

❷ Aber ich bin ehrlich, wenn ich dann alle Pullover wieder aus dem Schrank hole, dann bin ich trotzdem nicht gut vorbereitet. Aber ich bekommen das immer wieder hin.

❸ Ich bin ehrlich, für mich sind die Herbstferien komplett uninteressant, weil ich keine Schule mehr habe. 

❹ Ich sollte mal wieder ein bisschen mehr Me-Time machen, stelle ich gerade fest. 

❺ Meinen neuen Duft Dance Red Midnight von Shakira rieche ich sehr gerne. 

❻ Rucksack ist für mich der ständige Begleiter - für die kleinen Sachen habe ich einen etwas kleineren, für die Uni einen grossen, damit ich alles mitbekomme. 

❼ Im Kalender steht diese Woche vor allem viel Uni, im Moment ist die Routine noch nicht drin und ich habe diese Woche eigentlich noch eine Veranstaltung mit Lydia Benecke geplant. Außerdem freue ich mich auf ein echt ruhiges Wochenende.

Und wie war euer Wochenstart?

Habt ihr euch auch schon mal voller Elan an eine neue Sprache oder Herausforderung gewagt und nach der ersten Stunde gedacht: „Oje, worauf habe ich mich da eingelassen?“ Und was riecht ihr im Herbst am allerliebsten? Schnappt euch die Vorlage und verratet es mir unglaublich gerne direkt in den Kommentaren! 🍂☕️👇

Ein kleiner Kaffeeklatsch? ☕️

Italienisch-Vokabeln, Nachwahlen und ein voller Uni-Plan – mein Koffein-Bedarf schreit heute ganz laut nach Verstärkung! Wenn du mir einen virtuellen "Nervennahrungs-Kaffee" spendieren oder einfach meine Blog-Arbeit unterstützen möchtest, freue ich mich riesig über deinen Besuch auf mein Ko-fi Link. Danke für euren fantastischen Support!

Credits & Inspiration:

  • Aktion: Der Montagsstarter wird veranstaltet von der lieben Anni. Meinen Backlink zu ihrem Blog findet ihr hier: Link zu Annis Blog.

  • Bild: Erstellt mit Ideogram.

16. Oktober 2026

Freitags-Fokus: Uni-Auftakt, Rauhut-Doppelpack & vorzeitiges Arc-Ziel

 

Hallöchen ihr Lieben!

Es ist wieder Freitag! Hinter mir liegt eine Woche, die sich in jeder Hinsicht gewaschen hat: voll, anspruchsvoll, aber vollgepackt mit Erlebnissen, die man nicht missen möchte. Schnappt euch eine Tasse Tee oder ein kühles Getränk, wir werfen gemeinsam einen Blick auf meine letzten Tage!

Fokus: Erste Uni-Eindrücke & warum die Prüfungen kein Spaziergang werden 🎓📚

Die erste Woche des Wintersemesters liegt hinter mir – zwar noch nicht zu 100 Prozent, da die Tutorien und der Sprachkurs erst noch starten, aber der Vorgeschmack hatte es in sich. Der Stoff zieht direkt an und eines zeichnet sich jetzt schon überdeutlich ab: Die Prüfungen in diesem Semester werden definitiv kein Spaziergang! Da wartet einiges an Vorbereitung auf mich, aber die Motivation ist da.

Kultur-Marathon: Michael Rauhut im Doppelpack & Köpenicker Apfeltraum 📖🎸

Wer meinen verspäteten Montagsstarter gelesen hat, weiß bereits, wie fantastisch der Auftakt war: Die Lesung von Michael Rauhut am Montag in Chemnitz war absolut gelungen. Danach waren wir noch gemütlich etwas trinken – und am Mittwoch in Dresden war es nicht anders! Da waren zusätzlich noch zwei liebe Freundinnen von mir dabei, was den Abend perfekt abgerundet hat. Es hat einfach etwas ganz Besonderes, mitten in der Woche unterwegs zu sein, auch wenn der Terminkalender dadurch extrem voll wurde. Aber genau solche Abende dürfen und müssen sein!

Was ich am Dienstag im Trubel ganz vergessen hatte zu erwähnen: Auch der Saisonabschluss am Sonntag im Kunsthof Köpenick war spitze. Apfeltraum live zu erleben, lohnt sich absolut – großartige Musiker und eine wundervolle Atmosphäre zum Saisonende!

Winter Arc: 60-Punkte-Marke vorzeitig geknackt! ❄️🎯

Im Winter Arc läuft es schlichtweg überragend: Die anvisierten 60 Punkte für den Oktober habe ich gestern schon geknackt! Ich war wohl fast ein bisschen zu sehr in meiner festen Routine drin. Für den November werde ich die Messlatte und die Punkteanzahl deshalb definitiv etwas höher ansetzen, um mich weiter herauszufordern.

Gelesen, Gehört, Gesehen 📚🎶📺

  • Gesehen: Ganz klar die beiden Lesungen von Michael Rauhut – ihn live auf der Bühne zu erleben, ist eine absolute Empfehlung für alle Kultur- und Musikinteressierten!

  • Gehört: Ich könnte jetzt natürlich wie gewohnt Silly sagen, aber ich lasse euch stattdessen einen Song da, der bei mir in den letzten Tagen ununterbrochen auf Repeat lief: 

  • Gelesen: Für das klassische Lesen am Schreibtisch fehlte schlicht die Zeit, aber ich freue mich riesig auf morgen: Da steht wieder unser Buchclub der Linken an – das wird garantiert wieder eine inspirierende Runde!

Quellen & Weiterführende Links

Hier findet ihr alle Anlaufstellen und Empfehlungen rund um meine Woche:

Musik & Literatur:

  • Michael Rauhut: Seine Werke zur ostdeutschen Musikgeschichte und Subkultur findet ihr direkt bei buecher.de* oder auf Amazon* / gebraucht bei Medimops* oder Rebuy*.

  • Sarah Connor: Wer Pop-Power und mitreißende Live-Alben sucht, wird fündig bei Amazon* oder gebraucht bei Rebuy* oder Medimops*.

  • Konzert-Tipp (Apfeltraum): Mehr zur Band und kommenden Terminen gibt es direkt bei Apfeltraum.

  • Rückblick: Wer die Details zum Wochenstart verpasst hat, springt einfach rüber zu meinem Montagsstarter.

Unterstütze mich:

  • Semester-Koffein: Nach zwei Lesungsnächten und einer intensiven ersten Uni-Woche kann meine Kaffeekasse jede Stärkung gebrauchen. Wenn ihr mir etwas spendieren möchtet, freue ich mich riesig: Support me on Ko-fi! ☕

Seid ihr auch mitten in der Woche gern auf Kulturveranstaltungen unterwegs? Und habt ihr eure persönlichen Monatsziele für den Oktober auch schon erreicht?

Eure Katja

  • Bild: Erstellt mit Ideogram.

15. Oktober 2026

Zwischen Größenwahn und Abgrund: Warum uns Falco bis heute fasziniert

Manchmal begegnet man Künstlern, die zu groß für ihre eigene Zeit wirkten. Hans Hölzel war zweifellos einer von ihnen. Als Kunstfigur Falco schuf er eine schillernde, arrogante Fassade aus Wiener Schmäh, schneidendem Rap und dekadentem Pop-Glamour. Doch hinter den verspiegelten Sonnenbrillen und dem zurückgegelten Haar verbarg sich eine zutiefst tragische, zerrissene Seele. Falco war ein Getriebener seines eigenen Genies und seines unbarmherzigen Selbstanspruchs.

Obwohl ich ihn durch die Gnade der späten Geburt nie live erleben durfte, hat seine Musik eine Schwerkraft, die mich bis heute berührt und beschäftigt.

Der Fluch der Nummer 1: Als der Gipfel zum Gefängnis wurde

Es gibt diesen legendären, fast unheimlichen Moment in seiner Biografie: Als Falco im März 1986 mit Rock Me Amadeus als erster – und bis heute einziger – deutschsprachiger Künstler an die Spitze der US-Billboard-Charts kletterte, saß er nicht triumphierend im Champagnerregen. Er saß in einer Wiener Bar, trank und war am Boden zerstört.

Sein Gedanke damals: „Jetzt bin ich ganz oben. Jetzt kann es nur noch bergab gehen. Das schaffe ich nie wieder.“

Dieser bittere Moment des Triumphs zeigt die ganze Tragödie: Falco hatte das Unmögliche geschafft, und genau in dieser Sekunde schnappte die Falle seines Perfektionismus zu. Der eigene Erfolg wurde zur unüberwindbaren Bürde.


Die Sehnsucht nach Liebe: Eine Vaterschaft voller Schmerz

Wer verstehen will, wer Hans Hölzel hinter der Maske Falco wirklich war, muss auf seine Suche nach privatem Halt blicken. Mitten im weltweiten Trubel der 1980er-Jahre schien er diesen Halt endlich gefunden zu haben: Er übernahm voller Stolz und Hingabe die Vaterrolle für ein kleines Mädchen, Katharina-Bianca. Für den ruhelosen Popstar war die Vaterrolle ein emotionaler Anker, ein Rettungsring in einer Welt voller Oberflächlichkeit.

Umso grausamer war der Schicksalsschlag, der Jahre später folgte: Ein Vaterschaftstest ergab 1993, dass er biologisch gar nicht ihr Vater war. Für Hans brach eine Welt zusammen; es war ein Verrat, der eine offene Wunde hinterließ. Und doch zeigt genau dieses traurige Kapitel seine wahre Größe und seine tiefe Menschlichkeit: Trotz des Schocks und des gebrochenen Herzens riss der Kontakt nicht völlig ab, und er blieb der Verantwortung für das Mädchen emotional wie finanziell verbunden. Es beweist, wie groß seine Sehnsucht nach echter, ungeschminkter Liebe war – abseits von Jubelarien, Platin-Schallplatten und Blitzlichtgewitter.


Zwischen Gänsehaut und Faszination: Das Phänomen „Jeanny“

Wenn ich an meine Jugend zurückdenke, gab es einen Song, der mir ehrlich gesagt eine Heidenangst einjagte: Jeanny.

Der Sprecherpart mitten im Track – diese eiskalte, stocksteife Stimme, die wie eine reale Eilmeldung aus den Nachrichten über das Verschwinden eines jungen Mädchens berichtete – fühlte sich damals viel zu echt an. Ein Skandal, der damals sogar zu Boykotten bei vielen Radiosendern führte. Und doch: Trotz des Unbehagens konnte man sich diesem Lied nicht entziehen. Diese schneidende Melancholie, die bittersüße Pop-Opulenz und der Mut, menschliche Abgründe in eine Ballade zu packen, machen Jeanny bis heute zu einem Meisterwerk. Falco spielte mit Tabus, ohne sie billig auszuschlachten; er machte aus Bedrohung große Kunst.


Jenseits von Amadeus: Die Hidden Gems

Jeder kennt Der Kommissar, Vienna Calling oder Out of the Dark. Doch wer Falco wirklich verstehen will, muss tiefer in seine Diskografie graben – zu den Tracks, die im Schatten der Welthits oft übersehen werden:

  • „America“ (aus dem Album Emotional, 1986): Eine brillante, funkige und zugleich bittere Abrechnung mit jenem Land, das ihn kurz zuvor auf den Thron gehoben hatte. Ironisch, musikalisch extrem tight und textlich messerscharf.

  • „Macho Macho“: Dieser Song zeigt seinen unnachahmlichen, bissigen Humor. Wie er Männlichkeitsrituale und den Zeitgeist der späten 80er persiflierte, hatte eine Leichtigkeit, die nur der echte Wiener Schmäh hinbekommt.

  • „Mutter, der Mann mit dem Koks ist da“: Für mich einer der absolut stärksten Falco-Tracks überhaupt – und er knallt einfach auf eine ganz andere Art! Das Geniale daran: Falco brachte den Song Ende 1995 unter dem Pseudonym T>>MA heraus. Er wollte, dass der Track in den 90er-Jahre-Raves und Clubs läuft, ohne dass die DJs und Clubgänger durch das Label „Falco“ voreingenommen waren. Der Song zersägt mit harten Techno-Beats und rotziger Attitüde die Berliner Gassenhauer-Tradition und zeigt, wie wandelbar und experimentierfreudig er bis zum Schluss war.


Was von Hans Hölzel bleibt

Falco lebte auf der Rasierklinge. Er sehnte sich nach Liebe und Häuslichkeit, flüchtete aber immer wieder in die Einsamkeit oder den Exzess. Er schuf Kunstfiguren, um den Mann dahinter zu schützen, und litt doch daran, dass kaum jemand den wahren Menschen sah.

Vielleicht berührt er uns gerade deshalb noch heute, Jahrzehnte nach seinem tragischen Unfall in der Dominikanischen Republik: Weil er in all seiner Widersprüchlichkeit, seinem Schmerz und seiner Genialität absolut kompromisslos war. Er war der Falke, der zu nah an die Sonne flog – und uns dabei Songs hinterlassen hat, die für immer nachhallen.

Jetzt seid ihr gefragt: Welche Beziehung habt ihr zur Musik von Falco? Hat euch „Jeanny“ damals auch so berührt oder verunsichert? Und welche seiner unbekannteren Songs gehören für euch auf jede Playlist? Schreibt es mir gern in die Kommentare!

☕ Unterstützung

Dir gefällt dieser persönliche Blick auf Musiklegenden und deren verborgene Schätze? Ich freue mich riesig über einen kleinen virtuellen Kaffee auf Ko-fi! Vielen Dank für euren Support!

  • Bild: Erstellt mit Ideogram.