27. September 2026

Nach Hause kommen am Elbufer: 22 Jahre Unheilig – Ein Abend zwischen Nostalgie, Gänsehaut und einem Fehlgriff

 Manche Bands begleiten ein Kapitel im Leben. Andere schreiben das ganze Buch mit. Für mich ist Unheilig kein flüchtiges Musikphänomen und kein spätes Radioerlebnis – es ist ein Anker, der mich seit über zwei Jahrzehnten hält. Am 28. August 2026 stand der Graf im Rahmen der Wiederkehr-Konzerte bei den Filmnächten am Elbufer in Dresden auf der Bühne. Und für mich fühlte sich dieser Abend vor der beleuchteten Altstadtkulisse wie eines an: wie nach Hause kommen.

Die Zeitreise: 27. Februar 2004, Straße E

Um zu verstehen, was dieser Abend für mich bedeutete, muss man die Uhr um 22 Jahre zurückdrehen. Es war der 27. Februar 2004. Mitten in meiner Gothic-Zeit, tief verwurzelt in der Schwarzen Szene, folgte ich der dringenden Empfehlung einer guten Freundin in die Dresdner Straße E. Da stand ein Mann auf der Bühne: schwarze Kutte, stechende gelbe Kontaktlinsen, kahl rasierter Kopf. Optisch extrem, im Auftreten fast noch tastend, aber mit einer Stimme gesegnet, die mich vom ersten Takt an mit einer Wucht packte, die ich bis heute nicht vergessen habe.

Ich war dabei, als Unheilig Schritt für Schritt größer wurde. Ich habe den Wandel zum massentauglichen Erfolg miterlebt – und während Teile der alten Szene die Nase rümpften, empfand ich diesen Durchbruch als absolut verdienten Lohn für jahrelange, kompromisslose Arbeit. Ich sah sie mehrfach an den Filmnächten am Elbufer, stand 2012 und beim vermeintlichen Abschied 2016 in den vorderen Reihen. Und natürlich stand ich auch in Köln beim damals letzten Konzert und habe Rotz und Wasser geheult. Unheilig war für mich immer ein emotionaler Schutzraum.

Und dann war da Stille. Abgesehen von vereinzelten Kollaborationen schien das Kapitel endgültig geschlossen. Bis die Nachricht einer Freundin aufploppte: „Der Graf kommt zurück.“ Ich dachte an einen schlechten Scherz – bis der Auftritt bei der Goldenen Henne alles besiegelte. Die Gänsehaut war sofort wieder da.

Der Abend: Staubkind, große Hymnen und ein schmerzhafter Fehlgriff

Den Auftakt machten alte Weggefährten: Staubkind. Louis Manke auf der Bühne zu sehen, war pure Freude. Auch wenn sich die Besetzung der Band über die Jahre verändert hat, bleibt diese warme, ehrliche Ausstrahlung unverändert. Die Ergänzung durch Iris Mareike Steen fügte sich harmonisch ein und weckte große Vorfreude darauf, dass von Staubkind künftig wieder mehr zu hören sein wird.

Als der Graf die Bühne am Elbufer betrat, fiel die Distanz der letzten Jahre binnen Sekunden ab. Die Setlist spannte den Bogen zwischen den Phasen der Bandgeschichte gekonnt auf: Monumentale Klassiker wie „Große Freiheit“, „So wie du warst“, „Maschine“ und „Lichter der Stadt“ trafen auf neuere Titel wie „Wieder zurück“, „Wunderschön“ und „Spiegelbild“. Das Elbufer sang, feierte und trug diese vertraute, warme Reibeisenstimme.

Der Dämpfer des Abends:

So groß die Euphorie war – ein Moment funktionierte für mich überhaupt nicht. Ich weiß, wie stolz der Graf darauf ist, damals bei Sing meinen Song das Scorpions-Monumentalwerk „Wind of Change“ interpretiert zu haben. Doch live am Elbufer war diese Nummer der klare Flop des Sets. Wer Klaus Meine einmal mit diesem Song live erlebt hat, weiß: Da kommt stimmlich und von der Aura her schlichtweg niemand heran. Hinzu kommt, dass der Text in dieser Fassung einfach nicht die emotionale Tiefe besitzt, die man von unheiligen Eigenkompositionen gewohnt ist. Eine Nummer, die man sich getrost hätte sparen können.

Vor allem tat es weh, weil dafür echte Herzensstücke auf der Strecke blieben. Wenn ich mir einen Song hätte wünschen dürfen, den ich an diesem Abend schmerzlich im Set vermisst habe, dann war es „Sonnenallee“. Dieser Titel trägt genau diese bittersüße Melancholie, diese Wärme und dieses ganz spezielle Lebensgefühl in sich, das Unheilig über Jahrzehnte ausgezeichnet hat. An einem lauen Sommerabend direkt an den Elbwiesen hätte „Sonnenallee“ atmosphärisch so viel mehr bewegt als ein geborgtes Pfeif-Intro aus Hannover.

Mein Fazit: Respekt vor dem Lebensweg & Blick auf 2027

Trotz dieses Ausrutschers überwog das Gefühl der Dankbarkeit. Der Graf war und ist für mich ein echtes Vorbild. Wer seine Biografie kennt und weiß, welche Hürden – nicht zuletzt das schwere Stottern in seiner Jugend – er überwinden musste, blickt mit tiefstem Respekt auf diesen Mann. Mag man über das Comeback nach dem Abschied diskutieren, wie man will: Wenn Musik so vielen Menschen Trost und Halt schenkt, hat sie jede Daseinsberechtigung.

Für mich war es ein echtes Heimspiel fürs Herz. Und das Beste: Es geht weiter. Im Juli 2027 kehrt die Band nach Dresden zurück – diesmal ins Rudolf-Harbig-Stadion, mit Frida Gold und Staubkind als Support. Die Karten sind gedanklich schon gebucht.

Musik fürs Regal: Unheilig & Staubkind für zu Hause 💿

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Von den intimen Hallen der Straße E bis zum weiten Rund der Filmnächte am Elbufer: Solche emotionalen Abende bildlich festzuhalten, verlangt der Ausrüstung einiges ab. Um bei künftigen Open-Airs und Hallenshows noch detailreichere Aufnahmen aus dem Graben und von den Rängen liefern zu können, spare ich aktuell auf ein Hardware-Update für meine Foto- und Videotechnik.

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26. September 2026

Peter Heppner live in der Lukaskirche Dresden: Wenn Resonanz den Kirchenboden beben lässt – Ein Akustik-Abend & vier verborgene Perlen

 Manche Stimmen begleiten einen nicht nur durch Jahre, sondern durch Lebensphasen. Für mich ist Peter Heppner eine alte, tief verwurzelte Liebe – schon zu Wolfsheim-Zeiten liefen seine Songs bei mir in Dauerschleife. Am 24. September 2026 stand nun ein ganz besonderer Termin im Kalender: Peter Heppner mit Band Akustik in der ehrwürdigen Lukaskirche Dresden. Es war mein erstes Akustikkonzert von ihm überhaupt – und was soll ich sagen? Es war schlichtweg der Hammer.

Vibration auf der Empore: Die pure Wucht einer Stimme

Dass Peter Heppner eine der markantesten Stimmen der deutschen Musiklandschaft besitzt, weiß jeder. Aber wie viel schiere physikalische Kraft darin liegt, wenn die elektronischen Synthie-Wände einmal komplett abgestreift werden, hat mich förmlich umgehauen.

Ich saß oben auf der Empore der Lukaskirche, und die Kombination aus Raumakustik und purer Stimmgewalt sorgte für ein fast körperliches Erlebnis: Der Boden vibrierte spürbar unter mir, die Resonanz jagte geradewegs durch den Körper. Getragen von einer fantastisch eingespielten Akustikband entfalteten Klassiker wie „Was bleibt?“, „... und ich tanz’“ oder „Alleinesein“ eine sakrale, berührende Ernsthaftigkeit.

Und dann kam „Herz“. Dieser Song ist mein persönlicher Lebensretter, mein absoluter Power-Song. Egal wie dreckig es mir geht, egal wie schwer die Tage wiegen: „Herz“ baut mich immer wieder auf. Ihn in dieser Kirchenkulisse live im Akustik-Arrangement zu hören, schnürt einem die Kehle zu und richtet einen gleichzeitig wieder auf. Pure Gänsehaut.

Nach rund 90 Minuten war der Zauber leider schon vorbei. Ein kleines Wehmutströpfchen bleibt da natürlich zurück – man hätte ihm stundenlang weiter zuhören können. Doch der Mann wird nun mal auch nicht jünger, und was er in diesen anderthalb Stunden abgeliefert hat, war qualitativ so intensiv und makellos, dass es sich nahtlos in die Riege der besten Konzerte einreiht, die ich je von ihm erlebt habe.

Exkurs: Vier „Hidden Gems“, die ihr gehört haben müsst

Klar, die großen Hits kennt jeder. Doch das Heppner-Universum birgt Schätze, die live selten bis gar nicht das Scheinwerferlicht sehen – Nummern, die leise beginnen, aber eine emotionale Tragweite besitzen, die einen sprachlos zurücklässt. Kein großes Pathos, keine Synthie-Wand, sondern pure Verletzlichkeit; Textzeilen, die man sich nachts um drei anhört und bei denen jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wird.

Wer Heppner wirklich begreifen will, sollte sich auf diese vier Titel einlassen. Sie bilden keine beliebige Playlist, sondern eine zutiefst menschliche Dramaturgie:

  1. „Theresienstadt“ – Die historische Demut und der abgrundtiefe Schmerz

    Ein beklemmendes, zutiefst respektvolles Stück Erinnerungskultur. Heppner fängt das Grauen und das Gedenken ohne billige Rührung ein – mit einer tonalen Schwere, die einem das Atmen schwer macht.

  2. „Gib mir doch’n Grund“ – Das Aufbäumen, der trotzige Frust, der Druck im Kessel

    Hier bricht die Melancholie in Zorn und Drängen um. Es ist das Ventil, das brodelt: Dieses Verlangen nach einer klaren Kante, das Hadern mit der Lethargie und die Wut über das Ungesagte.

  3. „Chance“ – Die nackte, zarte Hoffnung und das Ringen um Nähe

    Das zögerliche Herantasten an ein Gegenüber, die lähmende Angst vor Zurückweisung und gleichzeitig diese unbändige Sehnsucht nach echter Verbindung. Ein Song wie ein offener Nerv.

  4. „Viele schöne Stunden“ – Das bittersüße Loslassen, die versöhnliche Wehmut

    Kein bitterer Abschied, sondern ein stilles Zurückblicken. Das Verstehen, dass Dinge enden dürfen, ohne dass ihr Wert vergeht – getragen von einer Wärme, die tröstet, während sie schmerzt.

Mein Fazit: Ein Abend in der Lukaskirche, der bewiesen hat, dass echte Handarbeit und eine monumentale Stimme keine Show-Effekte brauchen. 90 konzentrierte Minuten voller Resonanz, Gänsehaut und Herzblut.

Musik fürs Regal: Peter Heppner für zu Hause 💿✨

Wer nach diesem Konzertabend die Diskografie von Peter Heppner – von den Solo-Werken bis hin zu den Meilensteinen mit Wolfsheim – physisch erleben oder die Akustik-Arrangements nachspüren möchte, wird hier fündig:


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25. September 2026

Freitags-Fokus: Noten-Jubel, Traum-Seminare & Heppner-Akustikmagie

 

Hallöchen ihr Lieben!

Ich habe es euch ja schon angedroht: Heute wird es VOLL! Wenn man meint, die vorlesungsfreie Zeit wäre ruhig, beweist diese Woche genau das Gegenteil. Ich sitze hier mit einem breiten Grinsen und weiß ehrlich gesagt gar nicht, wo ich zuerst anfangen soll. Schnappt euch ein Kaltgetränk eurer Wahl, wir tauchen ein in eine Woche voller Meilensteine, Erleichterung und Gänsehaut!

Fokus: Uni-Erfolge auf ganzer Linie – Notenregen & Traum-Pläne 🎓🎉

Am Mittwoch ging es schon mit den ersten dicken Highlights los. Ich habe endlich eine Kombination gefunden, wie ich Italienisch perfekt in meinen Wintersemester-Fahrplan integrieren kann – jetzt muss am 1. Oktober nur noch die Einschreibung reibungslos klappen!

Auch bei den Seminaren hat sich alles gefügt: Für meine offizielle Prüfungsleistung belege ich regulär ein Seminar im Themenbereich DDR. Da ich wissenschaftlich aber emotionsgeschichtlich arbeite, hat mich die Perspektive des Träumens im Seminar „Träume(n) in der Frühen Neuzeit“ wahnsinnig gereizt. Weil der Modulplan aber nur die Belegung eines einzigen Seminars vorsieht, habe ich einfach ganz frech nachgefragt, ob ich als interessierte Hörerin mit rein darf – und der Dozent hat das direkt abgesegnet! So kann ich den Input für meine Methodik mitnehmen, ohne mich mit doppelten Prüfungsleistungen zu verzetteln.

Aber der eigentliche Knaller waren die Noten:

  • Urheber- und Medienrecht für Nichtjuristen (AQUA): Die Note ist da – ich habe mit einer 1,3 bestanden! Damit habe ich jetzt bereits 8 von 10 AQUA-Punkten in der Tasche, und das noch vor dem Start ins 3. Semester. Was für ein geniales Polster!

  • Empirische Sozialforschung 2 (Verfahren und Techniken): Heute kam direkt das nächste Ergebnis. Nach einer 3,7 im ersten Semester konnte ich mich auf eine 2,7 steigern! Da meine Devise in der Medienforschung eigentlich ganz pragmatisch „Vier gewinnt“ lautet, ist eine 2,7 für mich ein echter Grund zum Feiern. Tschakka!

Gestern stand dann noch der Workshop „Mut zur Lücke“ an. Da mein Lebenslauf alles andere als geradlinig ist, bilde ich mich genau darin gezielt weiter, um selbstbewusst und konstruktiv mit solchen Brüchen und Umwegen umzugehen. Das tat unheimlich gut und hat mir noch mal eine ganz frische Haltung gegeben.


Live-Moment: Spontane Magie mit Peter Heppner im Akustik-Set 🎶✨

Gestern Abend wurde es dann dunkelbunt und atmosphärisch: Ich war ganz spontan bei Peter Heppner. Ich habe ihn zwar schon mehrfach live gesehen, aber noch nie im Akustik-Gewand! Was soll ich sagen? In diesem reduzierten Arrangement entfaltet seine unverwechselbare Stimme eine ganz eigene, fast greifbare Magie – absolute Gänsehaut. Er hatte auch einen meiner absoluten Power-Songs im Gepäck, aber dazu verrate ich noch nicht zu viel: Die Konzertrezension ist bereits getippt und geht morgen für euch online!

Gelesen, Gehört, Gesehen 📚🎶📺

  • Gelesen: Ich bin ganz ehrlich: Das Lesen von Büchern ist diese Woche bei all dem Noten-Jubel, Vorlesungsverzeichnissen und Terminen komplett auf der Strecke geblieben. Muss auch mal sein! 😉

  • Gehört: Ganz klar Peter Heppner in Dauerschleife. Bis morgen meine Review kommt, binde ich euch hier unten im Beitrag schon mal eine echte musikalische Perle von ihm als Video ein – Ton an und genießen!

  • Gesehen: Ich habe die 3. Staffel von Der Pass beendet (was für ein Abschluss!) und mir außerdem Monster: Die Geschichte von Lizzy Borden angesehen. Richtig intensive Kost – die Reviews dazu folgen nach und nach!


Quellen & Weiterführende Links

Hier findet ihr alles Wichtige rund um meine Highlights dieser Woche:

Musik & Peter Heppner:

Aus dem Blog:

  • Ausblick auf morgen: Haltet die Augen offen, morgen früh geht die ausführliche Konzert-Rezension zum Akustik-Abend mit Peter Heppner online!

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  • Header: Wie immer via Ideogram.

Habt ihr Peter Heppner schon mal im Akustik-Set erlebt? Und wie geht ihr mit Lücken oder Kurven in eurem Lebenslauf um – seht ihr sie auch als Stärke?

Eure Katja 

22. September 2026

Zwischen Bunker-Enge und psychologischem Zerfall: Eine Rezension zu „Stammheim – Zeit des RAF-Terrors“ (2024)

Filme über die Rote Armee Fraktion neigen häufig dazu, das Spektakel der Straße in den Vordergrund zu rücken: Verfolgungsjagden, Banküberfälle, Fahndungsfotos und der bleierne Nebel der 1970er-Jahre. Mit seinem Dokudrama „Stammheim – Zeit des RAF-Terrors“ schlägt Regisseur Niki Stein einen radikal intimeren und weitaus beklemmenderen Weg ein. Er verlegt das Zentrum der Erzählung fast vollständig dorthin, wo der Mythos der ersten Generation endgültig zerbrach: in den hermetisch abgeriegelten Hochsicherheitstrakt der JVA Stuttgart-Stammheim.

Das Ergebnis ist ein packendes, klaustrophobisches Zeitdokument, das sich durch seine akribische Nähe zur historischen Realität wohltuend von gängigen Klischees abhebt.

Die Echtheit des Materials: Wenn Spielszenen auf Archivbilder treffen

Die große Stärke von Steins Inszenierung liegt in der konsequenten Verbindung von szenischem Reenactment und originalem Archivmaterial. Gestützt auf Tonbandaufnahmen, Briefe, behördliche Vermerke und Verhandlungsprotokolle rekonstruiert der Film die Haftzeit der vier RAF-Spitzen Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Ulrike Meinhof und Jan-Carl Raspe.

Das Archivmaterial fungiert dabei nicht als bloßes Beiwerk, sondern bricht immer wieder direkt in den szenischen Ablauf ein. Diese Schnitttechnik erzeugt eine bemerkenswerte Fallhöhe: Sie entreißt die Figuren dem Raum filmischer Fiktion und konfrontiert die Zuschauenden unerbittlich mit den realen Gesichtern, Stimmen und der eisigen Kälte jener Jahre. Man begreift sehr schnell, dass hier keine stilisierten Rebellen agieren, sondern reale Menschen, die sich in einer selbst gewählten, radikalen Sackgasse verrannt haben.

Der Mikrokosmos Zelle: Gegenseitiges Ausspielen und paranoide Dynamik

Was das Dokudrama schauspielerisch wie psychologisch so sehenswert macht, ist der Blick auf das Innenleben der Gruppe. Von der viel beschworenen, unerschütterlichen Kollektivität der RAF bleibt hinter den Mauern von Stammheim wenig übrig. Stein arbeitet präzise heraus, wie die vier Gefangenen beginnen, sich gegenseitig zu belauern, zu manipulieren und gegeneinander auszuspielen.

Besonders die zunehmende Entfremdung und psychische Zermürbung von Ulrike Meinhof im Spannungsfeld zwischen Baaders dominanter Aggressivität und Ensslins ideologischer Schärfe geht unter die Haut. Stammheim wird zu einem psychologischen Versuchsfeld unter Laborbedingungen: Überwacht von zahllosen Beamten, isoliert von der Außenwelt und dennoch besessen von dem Gedanken, selbst aus den Zellen heraus die Fäden des bewaffneten Kampfes und des späteren Prozesses zu ziehen. Die bunkerartige Enge, die massive Präsenz der Justizwachtmeister und die permanente Paranoia sind in jeder Szene förmlich mit Händen zu greifen.

Die Todesnacht von Stammheim als nüchterner Schlusspunkt (Achtung: Spoiler)

Das Dokudrama steuert unweigerlich auf den traurigen Kulminationspunkt des Deutschen Herbstes zu: die dramatischen Ereignisse rund um die Schleyer-Entführung, die Flugzeugentführung von Mogadischu und schließlich die Todesnacht vom 18. Oktober 1977.

Niki Stein inszeniert das Ende – den Suizid von Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe sowie die schwere Verletzung von Irmgard Möller – ohne verschwörungstheoretische Verklärungen. Gestützt auf die forensischen und historischen Befunde dokumentiert der Film das Geschehen nüchtern, detailgenau und gerade deshalb so erschütternd. Es ist der finale Kollaps einer fatalen Ideologie, die sich am Ende nur noch selbst zerstören konnte.

Mein Fazit: „Stammheim – Zeit des RAF-Terrors“ ist Geschichtsvermittlung auf höchstem Niveau. Durch den Verzicht auf reißerische Action und die Fokussierung auf Verhörprotokolle, Gruppendynamik und Originalquellen gelingt Niki Stein eine beklemmende Dekonstruktion des RAF-Mythos. Ein Pflichtprogramm für alle, die verstehen wollen, wie der „Höhepunkt“ und gleichzeitige Untergang der ersten Generation hinter Gittern wirklich aussah.

Persönliche Anmerkung: Die ARD stellt zu dem Film eine Begleit-Doku zur Verfügung, die etwa 30 Minuten lang ist - schaut sie an. Wir kennen alle die großen Namen, aber in der Doku geht es um die Opfer, die wir nicht im Fokus haben und was das für die Familien der Opfer bedeutet. Das wird bei der RAF sehr oft vernachlässigt, daher diese Bitte an euch. 

Jetzt seid ihr gefragt: Habt ihr das Dokudrama von Niki Stein gesehen? Wie wirkt diese Mischung aus Archivmaterial und Kammerspiel auf euch – und konntet ihr die Dynamik innerhalb der Gruppe nachvollziehen? Lasst uns in den Kommentaren sachlich und historisch reflektiert darüber sprechen!

☕ Unterstützung

Dir gefällt dieser analytische Blick auf filmische Geschichtsaufarbeitung? Ich freue mich riesig über einen virtuellen Kaffee auf Ko-fi! Vielen Dank für euren Support!

🎬 Filmdaten

  • Titel: Stammheim – Zeit des RAF-Terrors (2024)

  • Regie & Buch: Niki Stein

  • Format: Dokudrama / Dokumentarspielfilm mit Archivmaterial und Reenactment

  • Themenschwerpunkt: Die Haftzeit von Baader, Ensslin, Meinhof und Raspe in der JVA Stuttgart-Stammheim bis zur Todesnacht 1977

  • Link in der ARD Mediathek: Klick

  • Titelbild: Bildrecht bei der ARD

21. September 2026

☕️ Entspannter Wochenstart, Italienisch-Pläne & Blick nach vorn!

 

Hallo ihr Lieben! 

Nach den turbulenten letzten Wochen hat diese Woche herrlich entspannt begonnen – und das tut richtig gut! Weil ich aktuell wieder etwas mehr Luft habe, dürft ihr euch in den kommenden Tagen auch auf ein paar zusätzliche Blogbeiträge freuen. ✍️✨

An der Uni-Front stehen wichtige Weichenstellungen an:

  • Mittwoch: Die Zeiten für die universitären Sprachkurse werden bekannt gegeben! Ich brauche noch Sprachkenntnisse für mein Studium, und da ich glücklicherweise kein Latein mehr machen muss (ein dreifaches Halleluja – das war im ersten Anlauf so überhaupt nicht meins!), setze ich jetzt voll auf echtes Interesse: Italienisch steht ganz oben auf meiner Wunschliste! Hoffentlich passt die Zeit gut in den Plan. 🇮🇹

  • Donnerstag: Ich nehme an einem Workshop teil, bei dem es um den souveränen Umgang mit Lücken im Lebenslauf geht. Ein super wichtiges und lebensnahes Thema, auf das ich schon sehr gespannt bin. 💼

Wer noch mal in meinen letzten Starter mit der abgegebenen Tamara-Danz-Arbeit und dem Stundenplan-Frust reinlesen möchte, findet den letzten Montagsstarter genau hier.

Jetzt machen wir es uns aber erst mal mit unserer Montags-Tradition gemütlich. Ein ganz dickes Dankeschön geht wie immer an die liebe Anni, die diese wunderbare Aktion auf ihrem Blog Link zu Annis Blog veranstaltet!

Hier ist der neue Montagsstarter zum Mitmachen:

❶ Dankbarkeit sollte im Leben immer wichtig sein. Ich habe gelernt, dankbar zu sein ist immer auch eine Art der Wertschätzung, die anders steht. 

❷ Ich möchte mir gerne einen neuen Koffer kaufen. Ich habe zwar eigentlich eine Tasche, die ich immer nehme, aber ich habe diese Jahr festgestellt, für den Zug ist die denkbar ungeeignet.

❸ Die Geschichte über die RAF habe ich im Moment wieder irgendwie auf dem Schirm, weil ich gestern erst die recht interessante Verfilmung "Stammheim - Zeit des RAF Terrors" gesehen habe. 

❹ Noch ist ein bisschen Restsommer da, aber ich bin ehrlich, ich freue mich schon auf den Herbst. 

❺ Ich glaube fest daran, dass man im Leben immer wieder Menschen begegnet, die einen einfach in seiner ganz persönlichen Entwicklung viel weiter bringen können, auch wenn man das nicht gleich erkennt. 

❻ Mit dem Ende vom September bin ich dann schon im 3. Semester und ich freue mich darauf, auch wenn der Plan eher so lala ist. Aber ich kann neue Ecke entdecken, die ich vielleicht so noch nicht durchdacht hatte. 

❼ Im Kalender steht vor allem der Workshop zur persönlichen Weiterbildung auf dem Plan und ich habe diese Woche eigentlich ein Konzert geplant (das ist aber noch nicht sicher, weil ich sagen muss, ist gerade ein bisschen schwierig, mal sehen). Außerdem freue ich mich mal ein bisschen was aufarbeiten zu können, weil hier liegt echt vieles, was noch auf den Blog soll.

Und was meint ihr?

Welche Sprache wolltet ihr schon immer mal lernen – oder habt ihr vielleicht auch ein Schulfach/eine Sprache hinter euch gelassen, der ihr keine Träne nachweint? Und woran glaubt ihr aktuell ganz fest? Schnappt euch die Vorlage und verratet es mir unglaublich gerne direkt in den Kommentaren! 🇮🇹💬👇

Ein kleiner Kaffeeklatsch? ☕️

Etwas mehr Zeit zum Schreiben, Pläne für Italienisch und spannende Workshops – das schmeckt doch fast schon nach Dolce Vita! Wenn du meine Blog-Arbeit unterstützen oder mir einen virtuellen "Espresso" spendieren möchtest, freue ich mich riesig über deinen Besuch auf mein Ko-fi Link. Danke für euren wunderbaren Support!

Credits & Inspiration:

  • Aktion: Der Montagsstarter wird gehostet von der lieben Anni. Meinen Backlink zu ihrem Blog findet ihr hier: Link zu Annis Blog.

  • Bild: Erstellt mit Ideogram.