8. November 2026

Drei Grad und ein Hund im Arm: Über das Hinsehen, wenn es kalt wird

 

Hinweis zum Beitragsbild: Das Header-Bild dient als Symbolbild zum Schutz der betroffenen Personen und wurde mit Unterstützung generativer KI erstellt. Bildrechte: Miss Roses Media.

Es gibt Bilder, die brennen sich unauslöschlich ins Gedächtnis ein. Sie lassen einen nicht los, egal wie sehr man versucht, den Kopf frei zu bekommen oder sich in den gewohnten Alltagstrott zu flüchten.

Heute war so ein Moment. Meine Wege führen mich fast täglich über den Dresdner Hauptbahnhof – ob auf dem Weg zur Universität, zum Einkaufen oder beim Umsteigen. Man nimmt das Umfeld wahr, und mir fällt schon seit Monaten auf, wie sichtbar die Not geworden ist. Man sieht Menschen unter den Brücken, in Schlafsäcke gewickelt, umgeben von ihrer gesamten Existenz in Plastiktüten. Man registriert es, schluckt, läuft weiter.

Doch was ich heute Abend sah, hat mich tief im Mark erschüttert: Mitten auf dem Bahnhofsvorplatz, voll im grellen Licht der Laternen, lag eine Frau auf dem kalten Stein. Neben ihr stand ein altes Fahrrad mit einem kleinen Hundeanhänger. Sie schlief tief, erschöpft – und hielt ihren Hund fest im Arm.

Wenn die Kälte ins Mark zieht

Dieser Anblick bricht einem das Herz. In diesen Novembertagen klettert das Thermometer tagsüber kaum noch über 6 Grad, und nachts fallen die Temperaturen gnadenlos auf 3 Grad ab.

Man steht da mit dicker Jacke, Schal und Mütze, auf dem Weg ins geheizte Zuhause, und vor einem liegt ein Mensch, für den dieser eisige Betonboden das Bett ist. Und dazwischen dieses Tier – vielleicht der letzte treue Freund, der nicht urteilt, der nicht wegschaut, der einfach nur da ist und bedingungslose Wärme schenkt. In solchen Momenten spürt man eine lähmende Ohnmacht: Wie kann es sein, dass mitten unter uns, im Scheinwerferlicht einer Großstadt, Menschen so durch jedes soziale Raster fallen?

Wegschauen ist leicht. Unser Gehirn schützt sich vor Überforderung, indem es abstumpft, die Schritte beschleunigt oder den Blick aufs Smartphone richtet. Aber wenn der Winter einbricht, wird das Wegschauen lebensgefährlich. Bei feuchtkalten 3 Grad droht bereits nach wenigen Stunden auf dem Boden eine lebensbedrohliche Unterkühlung.

Was wir tun können: Nicht wegschauen, sondern handeln

Ich habe mich nach diesem Bild gefragt: Was mache ich mit dieser Traurigkeit und Wut? Die Antwort ist simpel: Ich möchte sie in Achtsamkeit verwandeln. Wir als Einzelne können das komplexe, strukturelle Problem der Obdachlosigkeit nicht von heute auf morgen lösen. Aber wir können dafür sorgen, dass in diesen Nächten niemand unbemerkt erfriert.

Deshalb mein dringender Appell an jeden von euch: Macht euch schlau, welche Hilfen es in eurer Stadt gibt.

Es dauert keine fünf Minuten, und diese fünf Minuten können ein Menschenleben retten:

  • Den Kältebus kennen: Nahezu jede größere Stadt betreibt in den Wintermonaten einen Kältebus (oft getragen von Organisationen wie der Stadtmission, dem Roten Kreuz oder der Caritas). Speichert euch die jeweilige Kältebus-Notfallnummer direkt ins Smartphone ein.

  • Ansprechen und fragen: Wenn ihr jemanden seht, der bei Minusgraden oder nasskalter Witterung draußen liegt: Sprecht die Person vorsichtig und respektvoll an. Fragt einfach: „Brauchen Sie Hilfe? Kann ich Ihnen einen heißen Tee holen oder den Kältebus rufen?“ Niemand wird gern bevormundet, aber fast jeder spürt, wenn echtes Mitgefühl dahintersteckt.

  • Im Zweifel den Notruf wählen: Wenn eine Person nicht mehr ansprechbar wirkt, apathisch ist, zittert oder keine Reaktionen mehr zeigt: Wählt bitte sofort die 112. Unterkühlung ist ein medizinischer Notfall. Habt keine Scheu – lieber einmal zu oft den Rettungsdienst alarmiert als einmal zu spät.

  • Unterkünfte mit Tieren: Oft gehen Wohnungslose nicht in klassische Notschlafstellen, weil dort Tiere streng verboten sind – und kein liebender Halter lässt seinen Hund im Stich. Fragt bei lokalen Hilfsorganisationen nach, ob es Notunterkünfte gibt, die auch Vierbeiner aufnehmen, oder unterstützt Organisationen vor Ort gezielt mit Decken, Hundefutter oder Spenden.

ℹ️ Kältehilfe & Notfall-Kontakte in Dresden auf einen Blick

Wenn ihr in Dresden unterwegs seid und seht, dass jemand bei nasskalter Witterung oder Frost im Freien liegt und Hilfe benötigt:

  • Akute Lebensgefahr & Unterkühlung: 112 (Rettungsdienst / Notruf)

    Wenn eine Person nicht mehr ansprechbar ist, extrem zittert oder apathisch wirkt: Nicht zögern, sofort den Notruf wählen. Unterkühlung ist ein akuter Notfall.

  • Bahnhofsmission Dresden (direkt im Hauptbahnhof):

    • Standort: Hauptbahnhof Dresden, Ausgang Bayrische Straße (nahe Gleis 1)

    • Telefon: 0351 / 471 06 43

    • Bietet akute Aufenthaltsmöglichkeiten, heiße Getränke, Vermittlung in Notschlafstellen und seelsorgerliche Ersthilfe.

  • Nachtcafés der Dresdner Kirchen (November bis März):

    • Die Kirchengemeinden öffnen im Wechsel jeden Abend von 19:00 bis 07:00 Uhr einen geschützten Raum für ein warmes Abendessen, ein Frühstück und einen sicheren Schlafplatz.

    • Wichtiger Hinweis: Übernachtungsplätze für Menschen mit Haustieren sind leider rar gesät – hier lohnt sich im Einzelfall das direkte Nachfragen vor Ort, ob Hunde im Vorraum oder in einer Box geduldet werden können.

  • Städtische Notunterkünfte & Obdachlosenhilfe Dresden:

    • Übergangswohnheim für Männer: Hechtstraße 18

    • Übergangswohnheim für Frauen: Schandauer Straße 60

    • Koordination über das Sozialamt Dresden (Bereich Wohnungslosenhilfe).

  • Such- und Straßensozialarbeit:

    Organisationen wie die Stadtmission Dresden (Diakonie) und der treberhilfe Dresden e.V. sind tagsüber im Stadtgebiet unterwegs, versorgen Menschen mit Schlafsäcken, Decken und warmer Kleidung und bieten Beratung an.

  • Kältebus: Von November bis April betreibt der Verein Dresdner Bürger helfen Dresdner Obdachlosen und Bedürftigen e.V. einen Kältebus zur Versorgung im Stadtzentrum und Umland (erreichbar unter 0157-30966310). 
  • Medizinische Hilfe: Eine kostenlose, niedrigschwellige allgemeinmedizinische Sprechstunde bietet KosMOS Dresden bei SafeDD (St. Petersburger Str. 14) jeweils dienstags von 12:30 bis 14:30 Uhr an. 

Das letzte bisschen Würde

Die Frau am Dresdner Hauptbahnhof und ihr Hund haben mich heute daran erinnert, worauf es im Leben ankommt. Wir regen uns im Alltag über Belanglosigkeiten auf – über Zugverspätungen, schlechtes Wetter oder stressige Fristen. Aber dort draußen kämpfen Menschen in jeder einzelnen kalten Nacht um ihre nackte Existenz und um das letzte bisschen Würde.

Lasst uns diesen Winter mit offenen Augen durch unsere Städte gehen. Schaut hin. Sprecht an. Ruft Hilfe. Ein einziger Anruf beim Kältebus oder Notruf kann den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten.

Habt ihr euch schon einmal über die Notfallnummern und Kältehilfen in eurer Stadt informiert? Habt ihr die Nummer des Kältebusses im Handy gespeichert? Schreibt mir gern in die Kommentare – und teilt diesen Aufruf, damit wir gemeinsam hinschauen.

☕ Hilfsnetzwerke unterstützen

Dieser Beitrag liegt mir ganz besonders am Herzen. Wenn ihr diesen Text teilt, helft ihr schon enorm, Aufmerksamkeit für die Kältehilfe zu schaffen. Wenn ihr meinen Blog unterstützen möchtet, könnt ihr das wie immer auf Ko-fi tun – doch mein noch größerer Wunsch heute: Werft bei eurem nächsten Weg durch die Stadt ein paar Euro in die Becher der lokalen Bahnhofsmission oder unterstützt die Kältehilfe vor Ort. Danke für eure Menschlichkeit! 🌹

📋 Bildnachweise & Transparenz

  • Datum des Beitrags: 8. November 2026

  • Thema: Obdachlosigkeit im Winter, Kältehilfe, Zivilcourage, Stadt Dresden

  • Blog: MissRose's kleine Welt / Miss Roses Media

  • Bildnachweis: Das Beitragsbild (Header) ist ein bewusst gewähltes Symbolbild zum Schutz der Privatsphäre und Würde der betroffenen Person vor Ort. Die Grafik wurde mittels generativer KI (Google Gemini) auf Basis eigener Konzeption und Prompterstellung generiert. Bildrechte: Miss Roses Media.

7. November 2026

Freitags-Fokus am Samstag: Vorstandspower, stumme Filmarchive & Frauenpower mit Nicole Jäger

 

Hallöchen ihr Lieben!

Heute schleicht sich der Freitags-Fokus mit einem Tag Verspätung am Samstagvormittag zu euch rein – aber ganz ehrlich: Nach dieser Woche brauchte ich heute früh erst einmal einen ausgedehnten Schlaf und starte nun herrlich gemütlich mit einer dampfenden Kanne frischem Tee in den Tag. Manchmal muss man dem Körper einfach die Pause gönnen, die er verlangt! Schnappt euch also euer Lieblingsheißgetränk, wir blicken gemeinsam auf eine Woche zurück, die wirklich prall gefüllt war.

Fokus: Neuer Vorstandsschwung, ein Marathon-Mittwoch & Bühnen-Wucht 🏛️🎬🎤

Die Woche ging am Montag direkt produktiv los: Unsere Vorstandssitzung war richtig gut! Weil wir neue Beisitzer bei uns begrüßen durften, werden wir den regulären Sitzungstag künftig verlegen, damit sich das für alle noch besser einpendelt.

Der absolute Marathon-Tag war dann allerdings der Mittwoch:

  1. Zuerst die zwei regulären Uni-Veranstaltungen am Vormittag.

  2. Danach ein richtig spannender Finanzworkshop, der mir wieder einige wertvolle Gedankenanstöße mitgegeben hat.

  3. Und als Krönung ging es abends in die SLUB! Dort wurden historische Filme gezeigt – das Material selbst war absolut faszinierend. Die Live-Kommentierung im Rahmen des SAVE-Projekts war allerdings… nun ja, sagen wir mal: schwierig. Mir ist völlig bewusst, dass die Vorbereitungszeit dafür knapp bemessen war, aber die Art und Weise des Kommentars für die eigentlich stummen Archivfilme war stellenweise gewöhnungsbedürftig. Aber auch solche Erfahrungen gehören zum wissenschaftlichen Entdecken einfach dazu!

Gestern Abend gab es dann den absoluten Seelenbalsam: Ich war live bei Nicole Jäger! Was für eine Wucht von einer Frau, was für ein Humor und was für eine unfassbar starke Bühnenpräsenz! Ich habe den Abend so sehr genossen. Als Sahnehäubchen habe ich vor Ort überraschend noch eine liebe Freundin getroffen, sodass wir zu dritt einen herrlichen Mädelsabend hatten. Meine ausführlichen Gedanken zu Nicole Jäger tippe ich euch aber noch mal in einem eigenen Beitrag zusammen – das muss erst sacken.

Ausblick: Voller Schreibtisch, Flohmarkt-Liebe & Kino-Pläne 📚🍿

Mein Schreibtisch für dieses Wochenende ist vollgepackt mit Aufgaben und Vorbereitungen für die kommende Uni-Woche. Ein bisschen Ausgleich muss aber trotzdem sein:

  • Morgen geht es für mich auf den Stadtteil-Flohmarkt – ein bisschen stöbern, abschalten und nach Schätzen Ausschau halten.

  • Wenn es zeitlich klappt, möchte ich morgen unbedingt noch in die neue Dokumentation über Wolf Biermann ins Kino.

  • Überhaupt steht meine Kino- und Watchlist gerade Kopf: Der Konzertfilm „Rammstein in Mexico“ und der neue Streifen mit Johnny Depp (Ebenezer – Eine Weihnachtsgeschichte) stehen ebenfalls ganz weit oben auf meiner Merkliste.

Gelesen, Gehört, Gesehen 📚🎶📺

  • Gelesen: Sagen wir es ganz diplomatisch: Wir hüllen heute den Mantel des Schweigens darüber, wie sehr das private Freizeit-Lesen diese Woche wieder geschwankt hat. Fachtexte zählen leider nicht als Wohlfühl-Schmökern! 😉

  • Gehört: Diese Woche liefen bei mir erstaunlich viele US-Klassiker rauf und runter. Ganz vorne mit dabei: „Dirty Diana“ von Michael Jackson – pure Energie für müde Lernphasen! Ich binde euch das Video unten direkt ein:


  • Gesehen: Historisch ging es bei mir ziemlich düster zu: Ich habe mir Dokumentationen über Hitlers Leibarzt Theodor Morell und die Umstände von Hitlers Tod angesehen – nicht mein primäres Forschungs-Kerngebiet, aber medizinhistorisch und methodisch trotzdem extrem spannend.

    Was mich aber emotional richtig gepackt hat, war die ARD History Dokumentation über Matthias Domaschk („Die Freiheit, die Stasi und der Tod“). Diese Doku ging mir wahnsinnig nah. Meine ausführliche Rezension dazu ist bereits online – absolute Empfehlung für euch: Hier geht es zu meiner Rezension auf dem Blog!

Quellen & Weiterführende Links

Hier findet ihr alles Wichtige rund um meine Highlights und Empfehlungen:

Kultur, Rezension & Musik (Ref):

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  • Wochenend-Tee & Schreibtisch-Kaffee: Um den Berg an Uni-Aufgaben am Schreibtisch zu bezwingen und die nächsten Film-Nachlesen zu tippen, freue ich mich riesig über eine kleine Stärkung in meiner Kaffeekasse: Support me on Ko-fi! ☕

Habt ihr Nicole Jäger schon mal live erlebt? Und stöbert ihr am Wochenende auch so gern über Flohmärkte, um den Kopf freizubekommen?

Eure Katja

Bild: Erstellt mit Ideogram via Prompting.

4. November 2026

📽️ Rezension: „Die Freiheit, die Stasi und der Tod – Das kurze Leben des Matthias Domaschk“ (ARD History)

⚠️ Triggerwarnung: Dieser Beitrag und die besprochene Dokumentation behandeln staatliche Repression, psychischen und physischen Zwang, den bis heute ungeklärten Tod eines jungen Menschen in staatlicher Haft sowie Suizid bzw. dessen Verdacht. Wenn dich diese Themen stark belasten, lies diesen Text bitte nur, wenn du dich stabil fühlst.


Der Blick in den Abgrund der Diktatur: Wenn jugendlicher Freiheitsdrang tödlich endet

Es gibt historische Kriminal- und Repressionsfälle, die man aus Akten und Büchern kennt – und die einen dennoch mit voller Wucht treffen, sobald sie auf dem Bildschirm greifbar werden. Der Fall Matthias Domaschk ist genau so ein Mahnmal. Er steht wie kaum ein anderes Schicksal sinnbildlich dafür, wie der brutale Überwachungs- und Repressionsapparat des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) funktionierte und wozu eine Diktatur fähig war, wenn junge Menschen sich nicht in das vorgegebene Raster pressen ließen.

Mit der Dokumentation „Die Freiheit, die Stasi und der Tod – Das kurze Leben des Matthias Domaschk“ (eine Produktion von ThurnFilm im Auftrag von MDR und rbb für ARD History) haben die Regisseurinnen Sabine Michel und Sonia Otto ein beklemmendes Zeitdokument geschaffen, das tief unter die Haut geht und dem Zuschauer buchstäblich eine Gänsehaut beschert.

🎬 Filminfos auf einen Blick

  • Titel: Die Freiheit, die Stasi und der Tod – Das kurze Leben des Matthias Domaschk

  • Produktion: ThurnFilm im Auftrag von MDR & rbb für ARD History

  • Regie: Sabine Michel, Sonia Otto

  • Redaktion: Ina-Katrin Hüttig (MDR), Rolf Bergmann (rbb)

  • Inspiration: Sachbuch „Jena-Paradies: Die letzte Reise des Matthias Domaschk“ von Peter Wensierski

  • Förderung: Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

  • Format: Historische Dokumentation mit Zeitzeugeninterviews, Archivmaterial, Verhörprotokollen und animierten Sequenzen

  • Themenschwerpunkte: Opposition und Subkultur in der DDR, Jenaer Szene, Stasi-Untersuchungshaft Gera, staatliche Vertuschung, Generationentrauma

Aus dem Zug gerissen: Chronologie eines ungeklärten Todes

April 1981: Der 23-jährige Matthias Domaschk – junger Vater einer Tochter, Teil der unangepassten Jenaer Szene rund um die Junge Gemeinde Stadtmitte – steigt mit seinem Freund Peter Rösch in den Zug nach Ost-Berlin, um eine Geburtstagsfeier zu besuchen. Zeitgleich findet in Berlin der X. Parteitag der SED statt. Die Staatssicherheit wittert hinter jeder unabhängigen Regung subversiven Terror und „staatsfeindliche Hetze“.

Die beiden jungen Männer erreichen ihr Ziel nie. Die Stasi holt sie aus dem Zug, bringt sie in die Stasi-Untersuchungshaftanstalt Gera. Es folgen zermürbende Verhöre, stundenlanger psychologischer Druck und die Androhung drakonischer Haftstrafen. Zwei Tage später, am 12. April 1981, ist Matthias Domaschk tot.

Die offizielle Lesart der DDR-Behörden: Suizid durch Erhängen an einem Heizungsrohr. Doch an dieser Version zweifelten Angehörige, Freunde und die Opposition von der ersten Sekunde an.

Multiperspektivisch und schmerzhaft nah: Tochter und Freunde vor der Kamera

Als jemand, der sich seit Langem intensiv mit regionaler Kriminalgeschichte und DDR-Aufarbeitung beschäftigt, war mir der Fall natürlich vertraut. Doch die Dokumentation schafft eine emotionale Dichte, die weit über das Aktenstudium hinausgeht.

Das Herzstück des Films ist seine Multiperspektivität:

  • Stimmen der Hinterbliebenen: Dass neben engen Weggefährten wie Peter Rösch vor allem Matthias’ Freunde und seine Tochter zu Wort kommen, verleiht der Dokumentation eine zutiefst persönliche, berührende Fallhöhe. Man spürt das unauslöschliche Trauma einer Generation, der von einem Moment auf den anderen ein geliebter Mensch entrissen wurde.

  • Akribische Akteneinsicht: Durch Original-Verhörprotokolle, Stasi-Berichte und subtil eingesetzte Animationen wird die beklemmende Kälte der Geraer Verhörzimmer spürbar. Der Film zeigt, wie der Apparat versuchte, einen freigeistigen 23-Jährigen binnen weniger Stunden zu brechen.

  • Die Strangmarke und die verhinderte Obduktion: Ein besonders erschütternder Moment ist die Einblendung des historischen Fotos der Strangmarke an Matthias’ Hals. Hier wird visuell greifbar, warum die Zweifel der Gerichtsmediziner und Angehörigen bis heute nicht ausgeräumt sind. Die Tatsache, dass die DDR-Führung eine unabhängige, lückenlose Obduktion mit allen Mitteln verhinderte und die Leiche eilig einäschern ließ, zementierte das Misstrauen. Ob Matthias durch direkte physische Gewalt starb oder durch die perfide psychische Folter der Vernehmer in den Tod getrieben wurde – verantwortlich war das System.

Ein Fanal für die Bürgerrechtsbewegung

Der Tod von „Matz“ war für die SED-Diktatur kein erledigter Fall, sondern der Funke an einem Pulverfass. Sein gewaltsames Ende rüttelte die Szene wach: Es folgten Proteste, geheime Gedenkgottesdienste und die Gründung der Bürgerrechtsbewegung in Jena, die Jahre später in der Friedlichen Revolution von 1989 mündete. Domaschk wurde zum Symbol für den Mut, sich nicht anpassen zu wollen.

Matthias’ Sehnsucht nach Selbstbestimmung, seine Kritik an verkrusteten Machtstrukturen und der Mut, eigene Wege zu gehen, sind für junge Menschen heute erstaunlich nahbar. Der Film stellt ganz universell die Frage: Wie viel Zivilcourage verlangt eine Gesellschaft vom Einzelnen – und wo beginnt persönlicher Widerstand?

🌹 Fazit: Ein herausragendes Stück Erinnerungskultur

„Die Freiheit, die Stasi und der Tod“ ist kein bequemer Film. Es ist eine unerbittliche, handwerklich präzise und zutiefst respektvolle Rekonstruktion, die den Menschen Matthias Domaschk hinter der historischen Symbolfigur sichtbar macht. Eine Dokumentation, die Gänsehaut hinterlässt und die Notwendigkeit wachhält, die Mechanismen diktatorischer Willkür niemals zu vergessen.

Bewertung: 5 von 5 Rosen 🌹🌹🌹🌹🌹

Jetzt seid ihr gefragt: Habt ihr die Dokumentation in der ARD Mediathek schon gesehen? War euch der Fall Matthias Domaschk bereits ein Begriff und wie blickt ihr auf die Aufarbeitung der Repression in den Stasi-Gefängnissen? Lasst uns in den Kommentaren sachlich und respektvoll diskutieren.

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🛒 Literaturtipps zum Thema

  • 📖 Peter Wensierski: Jena-Paradies: Die letzte Reise des Matthias Domaschk (Die literarische Recherche-Grundlage zum Film) – Ch. Links Verlag / Amazon*

  • 📖 Dr. Henning Pietzsch: Jugend zwischen Kirche und Staat. Geschichte der kirchlichen Jugendarbeit in Jena 1970-1989 (Europäische Diktaturen und ihre Überwindung. Schriften der Stiftung Ettersberg, Band 5) – Basislektüre zur Jenaer Oppositionsbewegung. - Amazon* 

Bildnachweis:
Bildnachweis: Offizielles Presse-/Standbild zur Dokumentation. 
Bildrechte: MDR / rbb / ARD History / ThurnFilm.

Link zum Quellenverzeichnis: Klick 

2. November 2026

🍝 Ost-Klassiker zum Trost, 1989er-Recherche & ein voller Kalender!

 Hallo ihr Lieben! 

Mein Montag war heute wieder von der ersten bis zur letzten Minute durchgetaktet. Der Tag an der Uni startete zwar etwas holprig (eine Vorlesung fiel heute kurzfristig aus), aber ich habe das Beste daraus gemacht und mir in der Mensa echtes Soulfood gegönnt: Nudeln mit Tomatensoße, Käse und dazu ein echtes gebratenes Jägerschnitzel aus Jagdwurst – ein absoluter Kult-Klassiker, der die Laune sofort gerettet hat! 🍽️✨

Nach der Uni ging es direkt weiter zur Vorstandssitzung bei den Linken. Das Wochenende davor war auch schon alles andere als faul: Ich habe mich intensiv in die historische Recherche zur Musiker-Resolution von 1989 („Rockerresolution“) vergraben – ein wahnsinnig bewegendes und emotionales Thema, das mich als Musik- und Geschichtsfanatikerin natürlich voll in seinen Bann zieht! 🎸📜

Die Woche bleibt sportlich: Vor allem der Mittwoch ist randvoll gepackt. Nach den Vorlesungen geht es direkt zu einem Finanzworkshop und am Abend wartet noch ein spannender Filmabend in der SLUB auf mich. Langweilig wird es hier also garantiert nicht!

Wer noch einmal in meine letzte Woche mit der GeSoLei-Matinee im Hygiene-Museum und den Fortschritten in Italienisch reinlesen möchte, findet den letzten Montagsstarter genau hier.

Jetzt machen wir uns aber erst einmal einen entspannten Abend mit unserer Montags-Tradition! Ein ganz dickes Dankeschön geht wie immer an die wunderbare Anni, die diesen tollen Lückentext auf ihrem Blog Link zu Annis Blog bereitstellt!

Hier ist der neue Montagsstarter zum Mitmachen:

❶ Ich habe entschieden, egal wie stressig es im Moment ist, einfach mal ein bisschen ruhig zu bleiben und trotzdem zu schauen, dass ich auch an mich denke. 

❷ In der Küche wartet noch eine schöne heisse Kanne Tee auf mich. 

❸ Die ersten Vorboten von Weihnachten kann ich schon riechen. 

❹ Im Moment geniesse ich die Zeit sehr, wenn ich mal offline (bin). 

❺ Diese Woche ist irgendwie auch wieder komplett voll - aber ich nehme es sportlich. 

❻ Schreiben tut mir in der letzten Zeit echt wahnsinnig gut, das muss ich schon sagen. 

❼ Im Kalender steht ein recht voller Wochenplan, dann habe ich diese Woche am Freitag Nicole Jäger live geplant, außerdem freue ich mich auf ein etwas ruhigeres Wochenende.

Und wie sieht es bei euch aus?

Was ist euer ultimatives Seelenfutter, wenn der Wochenstart mal ein wenig ruckelig läuft? Und worauf freut ihr euch in dieser Novemberwoche ganz besonders? Schnappt euch die Vorlage und verratet es mir unglaublich gerne direkt in den Kommentaren! 👇🍝✨

Ein kleiner Kaffeeklatsch? ☕️

Vorstandssitzung, Archiv-Recherche zu 1989 und ein vollgepackter Mittwoch mit Workshop und SLUB-Filmabend... Ohne ausreichend Koffein geht diese Woche gar nichts! Wenn du mir einen virtuellen "Nervennahrungs-Kaffee" spendieren oder einfach meinen Blog unterstützen möchtest, freue ich mich riesig über deinen Besuch auf mein Ko-fi Link. Danke für euren wunderbaren Support!

Credits & Inspiration:

  • Aktion: Der Montagsstarter wird veranstaltet von der lieben Anni. Meinen Backlink zu ihrem Blog findet ihr hier: Link zu Annis Blog.

  • Kultur & Bildung: Mehr zu den Veranstaltungen gibt es bei der SLUB Dresden.

  • Bild: Erstellt mit Ideogram.

1. November 2026

🍂 Winter Arc – Monatsfazit Oktober & das neue Ziel im November: Die 120-Punkte-Marke

 

Der erste Monat meines persönlichen Winter Arcs (Laufzeit: 1. Oktober bis 31. Dezember) liegt hinter mir. Was ursprünglich als spielerisches Punktesystem gedacht war, um Unialltag an der TU Dresden, Archivrecherchen, Blogroutinen, Vereinsarbeit und bewusste Auszeiten in Balance zu halten, hat sich zu einem gewaltigen Produktivitätsschub entwickelt.

Zeit für einen strukturierten Kassensturz – und die nächste sportliche Ansage!

1. Die Zahlen & Fakten des Monats

(Hinweis zum Uni-Faktor: Die Vorlesungszeit startete erst am 12. Oktober – studientechnisch war es also quasi nur ein „halber“ Monat, was das Ergebnis umso beachtlicher macht!)

  • Monatspunkte Oktober: 115 Punkte (Ursprüngliches Ziel: 60 Punkte)

    ↳ Zielerreichung: 191,7 % 🚀

  • Streak-Performance: 31 von 31 Tagen aktiv

    ↳ Beständigkeit: 100 % lückenlos 🔥

  • Tagesdurchschnitt: ~3,7 Punkte pro Tag

    ↳ Fast das Doppelte des ursprünglich kalkulierten Pensums!

Die Dynamik hat sich im Laufe des Monats massiv gesteigert: Statt mühsam Punkte zusammenzukratzen, entstand ein kontinuierlicher Flow quer durch alle Lebens- und Arbeitsbereiche.

2. Die wichtigsten Säulen im Rückblick

🏛️ Akademie, Quellen & Theorie

  • Frühe Neuzeit an der TU Dresden: Trotz des späteren Semesterstarts am 12. Oktober direkt voller Einstieg in Textarbeit, Reader-Lektüre und Forschungskontroversen (u. a. Trevor-Ropers General Crisis sowie kulturgeschichtliche Zugänge zu frühneuzeitlichen Traumwelten).

  • Forschungswerkstatt DDR-Kulturgeschichte: Umfassender Einstieg in die Primärquellenrecherche zur Rockerresolution vom Herbst 1989. Neben Archivgut (Havemann-Gesellschaft, BStU) steht das theoretische Gerüst über emotionsgeschichtliche und musiksoziologische Ansätze (u. a. Barbara Rosenwein, Tia DeNora, Peter Wicke).

  • Netzwerk & Primärquellen: Erfolgreicher Direktzugang zur Dokumentation Herbststimmen (Sven Hecker) zur gezielten Analyse zeitgenössischer O-Töne.

  • Sprachausbildung: Regelmäßige Italienisch-Übungseinheiten und Hausaufgaben zur Festigung der Grundlagen.


✍️ Blog, Schreiben & Wissenstransfer


🎸 Kultur, Verein & Live-Eindrücke

  • Vereinsarbeit PopKulturOst: Wichtige Weichenstellungen und reger Austausch beim Vereins-Stammtisch.

  • Live-Momente & Saisonabschluss: Ein wunderbar dichter Kulturmonat – geprägt von inspirierenden Abenden mit Michael Rauhut, Konzerten von Whysker und dem stimmungsvollen Jahresabschlusskonzert im Kunsthof Köpenick mit Apfeltraum, die das Erbe und die Songs von Klaus Renft noch einmal durch den herbstlichen Hof trugen.

  • Abschalten & Lesen: Feste Lektüre-Slots sowohl für Belletristik (u. a. The King of Kearny) als auch für zeitgeschichtlich eindringliche Literatur wie Erika Runges Die Schleife an Stalins Bart – ergänzt durch Film- und Serienmarathons als unverzichtbarer Gegenpol zum Schreibtisch.


3. Strategischer Ausblick & Weichenstellungen

Um neue Impulse für das vierte Quartal mitzunehmen, laufen bereits erste Reise- und Rechercheüberlegungen:

  • Exkursion nach Düsseldorf: Geplant ist ein Trip gegen Jahresende, um vor Ort die Ausstellungen rund um das Jubiläum der GeSoLei (Große Ausstellung für Gesundheitspflege, soziale Fürsorge und Leibesübungen von 1926) forschungsnah zu erleben, bevor das Ausstellungsjahr schließt.


4. Die neue Challenge: 120 Punkte für den November

Wer im Oktober 115 Punkte holt – und das trotz halbem Uni-Monat –, braucht im November kein Minimalziel. Weil wir es sportlich halten wollen, ziehe ich die Messlatte noch einmal deutlich höher:

  • Neues Monatsziel: 120 Punkte

  • Tagesanforderung: Exakt 4 Punkte pro Tag über die 30 Novembertage.

Die drei Schwerpunkte für die 120 Punkte:

  1. Quellensichtung & Materialsammlung: Systematische Auswertung von Herbststimmen und Vorbereitung der nächsten Schritte im Archiv- und Seminarbereich.

  2. Werkstattberichte & Rezensionen: Neue, fundierte Beiträge für den Blog, die Leseerlebnisse und historische Hintergründe miteinander verknüpfen.

  3. Ausdauer & Pausenmanagement: Gerade in der dunkleren Jahreszeit feste Erholungs- und Bewegungszeiten einplanen, um die 100%-Streak stabil durch den Monat zu tragen.

Auf in Runde 2 des Winter Arcs! 🍁✨

Alles Liebe,

Katja

Transparenzerklärung & Bildnachweise:

  • Header & Visuals: Das Titelbild sowie die grafischen Trenner für diesen Beitrag wurden mithilfe von Google Gemini (KI-Bildgenerierung) auf Basis eigener Bildkonzepte und Prompts von Miss Roses Media erstellt. Bildrechte: Miss Roses Media.

  • Archiv- & Texttransparenz: Die erwähnten Forschungszugänge und Quellenapparate basieren auf Recherchen im Archiv der DDR-Opposition (Robert-Havemann-Gesellschaft e. V.) und den Beständen des Stasi-Unterlagen-Archivs (BStU / Bundesarchiv).

  • Dokumentation: Dieser Artikel dient der persönlichen und transparenten Dokumentation des dreimonatigen Produktivitäts- und Studienprojekts Winter Arc (Q4 2026).