21. Juli 2026

Warum ich einen Schlussstrich ziehe: Eine überfällige Distanzierung von Uwe Steimle

 

Wer meinen Blog schon länger verfolgt, der weiß, dass ich hier eine klare Linie fahre: Ich schätze den offenen Diskurs, halte viel von gutem, spitzem Humor und habe in der Vergangenheit auch Uwe Steimle immer wieder mal eine Bühne und Reichweite geschenkt. Ich mochte seine feine Ironie, sein Spiel mit ostdeutschen Befindlichkeiten und seine satirische Alltagsbeobachtung. Doch Kabarett darf vieles, aber nicht alles. Seit geraumer Zeit beobachte ich mit wachsendem Unbehagen, wie Steimle immer tiefer ins Fahrwasser und die Netzwerke der AfD abgleitet. Das ist mit meinen eigenen demokratischen und politischen Überzeugungen schlicht nicht mehr vereinbar. Der jüngste Vorfall in Dessau-Roßlau hat für mich nun das Fass zum Überlaufen gebracht. Es ist Zeit für einen klaren Schlussstrich.

In Dessau-Roßlau stand Steimle gemeinsam mit hochrangigen Vertretern der AfD, darunter Tino Chrupalla und Ulrich Siegmund, auf der Bühne. Was sich dort abspielte, hatte mit Satire oder demokratischer Kritik nichts mehr zu tun. Es war ein beispielloser, geschmackloser Tabubruch.

Da war zum einen das gemeinsame Anstimmen der DDR-Nationalhymne „Auferstanden aus Ruinen“. Warum das heute so hochgradig problematisch ist? Weil hier die Hymne eines Unrechtsstaates, der für Mauer, Stasi und die Unterdrückung von Andersdenkenden stand, von einer in Teilen rechtsextremen Partei als billiger, populistischer Heimat-Kitsch instrumentalisiert wird. Es ist der Versuch, ostdeutsche Identität und Nostalgie zu kapern – und es verhöhnt jeden, der unter der realen Diktatur der DDR gelitten hat. Dass sich ein Künstler für diese Form des politischen Missbrauchs hergibt, ist bitter.

Doch der eigentliche, unerträgliche Tiefpunkt folgte bei Steimles verbalen Angriffen auf Angela Merkel und Bundeskanzler Friedrich Merz. Über Merkel witzelte er mit Blick auf ihr neues Porträt, sie lasse sich im Stehen malen, weil sie ahne, dass sie bald „sitzen“ werde, und schob hinterher: „Und wenn alle Stränge reißen oder der Nagel bricht, dann stellen wir sie an die Wand.“ Und als wäre diese Gewaltfantasie nicht genug, setzte er beim amtierenden Bundeskanzler noch einen drauf: „Wenn ich Friedrich Merz sehe, frage ich mich manchmal: Wo ist eigentlich Stauffenberg, wenn man ihn mal wirklich braucht?“

Als angehende Historikerin schmerzt mich dieser Vergleich auf einer ganz tiefen Ebene. Claus Schenk Graf von Stauffenberg war jener Wehrmachtsoberst, der am 20. Juli 1944 das legendäre, leider gescheiterte Bombenattentat auf Adolf Hitler verübte. Stauffenberg riskierte und verlor sein Leben im Widerstand gegen ein mörderisches, totalitäres Regime, das Millionen Menschen industriell vernichtete und Europa in Schutt und Asche legte.

Einen solchen historischen Widerstandskämpfer, der im Angesicht der absoluten Tyrannei handelte, ins Feld zu führen, um in einer funktionierenden, friedlichen Demokratie ein Attentat auf gewählte Politiker herbeizusehnen, ist nicht nur geschichtsvergessen. Es ist brandgefährlich und zutiefst geschmacklos.

Ja, man darf unzufrieden mit der aktuellen politischen Lage sein. Man darf die Regierung scharf kritisieren, sich über Fehlentscheidungen ärgern und das auch lautstark kundtun – das ist das Wesen unserer Demokratie. Aber die Grenze verläuft dort, wo Menschen der Tod, ein Attentat oder physische Gewalt gewünscht werden. Ein Aufruf zur Gewalt, verpackt als vermeintlicher „Gag“ auf einer Wahlkampfveranstaltung, ist eine rote Linie. Das ist eine Unart, die das gesellschaftliche Klima vergiftet, und so etwas werde ich auf meinen Plattformen weder verharmlosen noch unterstützen.

Ich habe in der Vergangenheit weggesehen oder gehofft, es sei nur „provokantes Kabarett“. Doch wer sich mit Demagogen gemeinmacht und Gewaltfantasien legitimiert, verlässt den Boden des demokratischen Streits. Mein Blog steht für Neugier, gegenseitiges Verständnis und respektvollen Austausch. Uwe Steimle hat auf diesem Blog und meinen anderen Kanälen keinen Platz mehr.

Jetzt seid ihr gefragt: Wie seht ihr die Grenzen des Kabaretts? Wo verläuft für euch die rote Linie zwischen scharfer politischer Satire und geschmackloser Grenzüberschreitung? Lasst uns in den Kommentaren wie immer sachlich, respektvoll und ohne Hass darüber diskutieren.

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📚 Quellen- & Bildnachweis

  • Hintergrund: Berichte über den Auftritt von Uwe Steimle bei der AfD-Podiumsdiskussion in Dessau-Roßlau im Juli 2026 sowie die darauffolgenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft.

  • Historische Einordnung: Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) zum Widerstand des 20. Juli 1944 und Claus Schenk Graf von Stauffenberg.

  • Blog-Header: Das grafische Header-Bild für diesen Artikel wurde mit dem KI-Tool Gemini erstellt.

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Schön, das Du hier bist!
Über Deine Kommis freue ich mich natürlich sehr. Schreib doch einfach was Dir auf der Seele brennt.
Alles Liebe,
Katja
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